Der Schlüsselfaktor Mensch in Ermittlungen – Auszug aus einer Vorlesung

Nora Nörenberg

Im letzten Jahr wurde Hans-Willi Jackmuth (Geschäftsführer, addResults GmbH) von Dr. Alexander Schuchter für eine Gastvorlesung an die Universität St. Gallen eingeladen. Thema der Vorlesung war der Reputationsschutz von Unternehmen und die Komplexität von menschlichem Fehlverhalten.

In seiner Arbeit als Ermittler und Berater hat Hans-Willi Jackmuth mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Bei dieser Arbeit sind ausgewiesene Menschenkenntnisse das A und O für erfolgreiche Ermittlungen.

In der Vorlesung stellte er den Studierenden neben den fachlichen Grundlagen zwei anonymisierte Praxisfälle aus seiner Arbeit vor.

Zwischen Theorie und Praxis

Anhand von praktischen Beispielen demonstrierte er, dass vor allem der Schlüsselfaktor Mensch eine wesentliche Komponente in der Ermittlungsarbeit darstellt. Um die menschliche Psychologie bei Fehlverhalten im Unternehmen zu untersuchen, stellt er sich in seinen Projekten oft folgende Fragen:

  • Wie hoch ist die Integrität des Mitarbeiters?
  • Welchem menschlichen Persönlichkeitstyp entspricht der Mitarbeiter?
  • Welche präventiven Maßnahmen lassen sich in dem Unternehmen einführen und umsetzen?

 

Vorlesung von Hans-Willi Jackmuth in St. Gallen
Hans-Willi Jackmuth hält eine Vorlesung vor Studierenden in St. Gallen

Herausforderungen in der Ermittlungsarbeit

Häufig sind komplexe Sachverhalte anhand einer (nicht vorhandenen) Papier- oder Elektronikspur nicht aufzuklären. Selbst moderne Mittel der Datenanalyse, welche beispielsweise mit den Produkten RayQ, KNIME und Microsoft Power BI realisiert werden können, wirken nur unterstützend.

Der Schlüsselfaktor Mensch als wesentliche Komponente

Aus seiner Erfahrung als Ermittler bestätigte Jackmuth: „Straffällige (und meist zugleich narzisstisch veranlagte) Mitarbeiter manipulieren ihre Umwelt im Unternehmen ständig und setzen ihre Kollegen ununterbrochen hohem psychologischen Druck aus.“

Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung haben mit einem sehr geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen und sind sehr kritikempfindlich. Ihre Unsicherheit versuchen sie mit einem arroganten und überheblichen Verhalten zu überspielen. Aufgrund ihres geringen Einfühlungsvermögens verhalten sie sich anderen gegenüber oft verletzend und setzen die Kollegen unter psychologischen Druck. Dies wiederum führt in Befragungen dazu, dass die betroffenen Kollegen aus Angst nicht auf die Fragen der Ermittler reagieren wollen und können. „Methoden der modernen Kriminalpsychologie können hierbei weiterhelfen“, berichtete Jackmuth.

Prävention von dolosen Handlungen

Derartige Themen sollte man bereits präventiv angehen, so Jackmuth. „Nach einer wirtschaftskriminellen Straftat sollten im Unternehmen entsprechende Prozesse und Werkzeuge etabliert werden, damit es nicht erneut zu einem Fehlverhalten der Mitarbeiter kommen kann.“ Um sich in das Thema einzulesen und eine Übersicht über die möglichen Werkzeuge zu bekommen, verwies Jackmuth auf die dreiteilige Fachbuchreihe „Fraud Management“. Darüber hinaus stellte er den kostenlos downloadbaren „Baustein ÜA5 Umgang mit Wirtschaftskriminalität“ der Initiative für Wirtschaftsgrundschutz vor, der einen schnellen Überblick über das Thema „Fraud Management“ bietet.

Eine verkürzte Version der Präsentation aus der Vorlesung von Hans-Willi Jackmuth können Sie sich kostenfrei herunterladen.

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